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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


02.07.2000 Musikschule Waldbronn: Konzert 10 Jahre Kammerorchester


Ulrich Enters (Blockflöte)interpretierte ein Konzert von Sammartini.


Musikschule Waldbronn:
Kammerorchester feierte zehnten Geburtstag
Ensemble hat sich festen Platz im kulturellen Leben erobert
Toni Reichl formte das Orchester / Beide Solisten auch Lehrer an Musikschule


Vor zehn Jahren wurde von der Musikschule Waldbronn das Kammerorchester ins Leben gerufen. Ziel war es, Schülerinnen und Schülern dieser Waldbronner Einrichtung, aber auch sonstigen Musikbegeisterten Gelegenheit zu geben in einem Orchester zu musizieren. Von Beginn an spielten auch Lehrer der Musikschule in diesem Ensemble mit. Die Leitung hatte von Anfang an Toni Reichl, Violinlehrer an der Musikschule Waldbronn und im Hauptberuf Mitglied der Badischen Staatskapelle. In diesen zehn Jahren hat sich das Kammerorchester einen guten Ruf bei Musikliebhabern aus Waldbronn und Umgebung erworben und wagt sich inzwischen auch mit Erfolg an schwierigere Werke. Die von Konzert zu Konzert steigenden Besucherzahlen zeigen, welchen Stellenwert sich das Kammerorchester inzwischen im kulturellen Leben Waldbronns -und darüber hinaus- erworben hat
.Musikschulleiter Armin Bitterwolf begrüßte zu Beginn des Konzerts zum zehnjährigen Bestehen die überaus zahlreichen Besucher im evangelischen Gemeindezentrum, unter ihnen auch Bürgermeister Martin Altenbach. Er erinnerte dabei an seinen kürzlich verstorbenen Vorgänger Herbert Dambach, auf dessen Initiative hin das Kammerorchester gegründet wurde und brachte den Dank mit einem Blumenstrauß für dessen Witwe Anneliese Dambach zum Ausdruck.
Von der mehr als positiven Entwicklung legte das Kammerorchester mit dem einleitenden fünfsätzigen "Divertimento D-Dur" von Joseph Haydn Zeugnis ab. Besonders gut gelangen der Mittelsatz, das "Largo cantabile" und das abschließende "Finale Presto", bei dem die Musiker ihrem Dirigenten in dem geforderten hohen Tempo mühelos folgten.
Ein beachtliches Werk war auch das "Concerto in C-Dur" für Violoncello, Orchester und basso continuo von Georg Christoph Wagenseil, einem Wiener "kaiserlichen Hofkompositeur" aus dem 18.Jahrhundert. Das Werk war bis 1953 verschollen und wurde dann 1962 in München mit dem Berühmten Cellisten Enrico Mainardi erstaufgeführt. Solist war hier Walter L. Mederus, Mitglied des Badischen Staatskapelle, seit 23 Jahren auch als Cellist im Orchester der Richard -Wagner - Festspiele Bayreuth tätig, und Lehrer für Violoncello an der Musikschule Waldbronn seit ihrer Gründung. Der Solist brachte die Melodienbögen des Konzerts mit vollem, warmem Ton zum Erklingen. Aufhorchen ließ dabei die souveräne Art, wie Mederus die beiden schwierigen Kadenzen des Konzerts meisterte, die zur Erstaufführung von Enrico Mainardi einfügt wurden. Das Kammerorchester unter der Leitung von Toni Reichl und Gerit Reichl am Cembalo waren ihm dabei adäquate Begleiter.
Von Giuseppe Sammartini, einem französischen Komponisten der Barockzeit, stammte das "Concerto in F" für Sopranblockflöte, Streicher und Cembalo. Den Solopart in dem dreisätzigen Werk spielte mit Ulrich Enters ebenfalls ein Lehrer der Waldbronner Musikschule. Enters ließ die Melodienbögen und Läufe des Konzerts klingen und zeigte, welche Möglichkeiten in der von vielen als Anfängerinstrument belächelten Sopranblockflöte stecken. Eine überzeugende Leistung boten in der Begleitung von Ulrich Enters wieder das Kammerorchester und Gerit Reichl am Cembalo.
Den Schlusspunkt setzte die im Stil der deutschen Romantik gehaltene "Serenade Nr. 2" für Streicher und zwei obligate Flöten. Das Kammerorchester zeichnete dabei die vielfältige Melodienführung des Werk mit transparentem Klang nach und legte auch dabei Zeugnis für die gute Probenarbeit ab, die einem solchen Konzert vorausgehen muss. Besonders frisch und dynamisch gelangen dabei der "Walzer Allegretto moderato", mit dem sich Toni Reichl und seine Musikerinnen und Musiker für den reichen Beifall bedankten, der bereits nach den einzelnen Werken die Leitungen von Orchester und Solisten honorierte. Dass während des letzten Werkes unmittelbar in der Pause vor dem Walzer aus einer benachbarten Gaststätte der Torjubel beim Golden Goal der Fußball - Europameisterschaft hineinplatzte, sorgte für einen kurzen Heiterkeitsausbruch bei Musikern und Zuhörern, war aber letztlich nicht mehr als eine Randnotiz.

Walter L. Mederus (rechts von Dirigent Toni Reichl), wie Ulrich Enters lehrer an der Waldbronner Musikschule, spielte das zweeite Cellokonzert von Wagenseil.