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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


16.02.2000 Gemeinderat: Eistreff Waldbronn wird saniert


Saniert nach einer langen Schließungszeit wird der Eistreff Waldbronn. Diese Entscheidung fällten die Waldbronner Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung mit deutlicher Mehrheit.


Was lange währt, wird endlich gut ...
Eistreff Waldbronn wird saniert
Gemeinderat gab grünes Licht / Investition ohne weitere Schuldenaufnahme möglich /Wiedereröffnung im kommenden Jahr



Überraschend klar fiel am Ende der Debatte der Beschluss aus, den Waldbronner Eistreff zu sanieren und wieder zu eröffnen.. Insgesamt 12 Gemeinderäte stimmten mit Bürgermeister Martin Altenbach für eine Sanierung, dagegen waren Prof. Dr. Kristian Kroschel und Dr. Wolfgang Mangold von der FWV, Heribert Purreiter von Bündnis 90/Die Grünen, sowie von der CDU – Fraktion Roswitha Bichler, Jutta Schamel, Roland Bächlein und Bernd Bull.
Bürgermeister Martin Altenbacheröffnete den Tagesordnungspunkt mit einem Rückblick auf die Schließungsgeschichte des Waldbronner Eistreff, die am 18.9.1996 auf Antrag der SPD als "vorläufige Schließung" mit 12 : 11 Stimmen beschlossen wurde, um den Eistreff schnellstmöglich zu sanieren. Am 1. April 1998 wurde dann ein Förderantrag beim Wirtschaftsministerium des Landes Baden – Württemberg gestellt, der am 8.7.1999 positiv beschieden wurde. Aufgrund der damaligen Kostenberechnung wurden der Gemeinde 2,9 Mio. DM zugesagt, als Termin wurde der 7. Juli 2000 festgeschrieben, bis dahin müssen die Ausschreibungen getätigt sein, sonst verfällt der Zuschuss des Landes.
Die jetzt geschätzten 7,6 Mio. Sanierungskosten beziehen sich, so Bürgermeister Altenbach, auf Instandsetzung des Gebäudes und Modernisierung der Eistechnik. Der Eistreff werde, so erste Berechnungen, die Betriebskosten einschließlich der AfA voll erwirtschaften. Dennoch bleibe eine Restlücke von 600.000 DM pro Jahr, die die Gemeinde zuschießen müsse. Eine Sanierung sei bei 90.000 Besuchern im Jahr vertretbar, zumal 70.000 von ihnen Jugendliche seien.
Petra Gathmann vom Büro Piontek stellte eine reine Sanierungsvariante ohne nutzungstechnische Verbesserungen vor, obwohl diese mehr als wünschenswert wären. Bauphysikalische Probleme bereite die Dachform. Das bestehende Dach solle angehoben und über alles eine Dachhaut gezogen werden. Dafür sei sowohl Folie als auch ein wartungsarmes Metalldach mit außen liegender Entwässerung denkbar. Auf allen Fassadenteilen sollten Beschattungsanlagen mit einem starren Lamellensystem angebracht werden. Weitere Verbesserungen müssten im Innenbereich vorgenommen werden. Die Kosten für diese Maßnahmen bezifferte Herbert Masino auf 4,66 Mio. zuzüglich 15 Prozent Nebenkosten, dabei habe man aber bereits das Metalldach als bessere Variante in Anschlag gebracht.
H. Niebel vom Baiersbronner Fachbüro Liepelt zeigte zunächst den Ist – Stand auf. Die Eisflächen haben Betonplatten mit Stahlrohren als Untergrund. Das bisherige Kältemittel sei auf Grund seines FCKW – Anteils nicht mehr zugelassen, zudem seien die Stahlrohe von außen stellenweise durchgerostet. Er empfahl eine Trennung vom bisherigen System. Statt des bisherigen Kältemittels solle das seit Jahren für diesen Einsatz bewährte Ammoniak für den Kältetransport sorgen.
Auf der bisherigen Betonpiste gibt es zwei Möglichkeiten: einmal lassen sich flexible Kunststoffmatten mit kleinen Rohren auslegen, die im Sommer zusammengerollt werden und die Fläche für andere Nutzungen frei machen. Bewährt habe sich als zweite mögliche Variante ein Kunststoffgittersystem, in das Rohre eingelegt werden. Das Ganze wird dann mit Kunststoffbeton aufgefüllt.
Von den vorhandenen Verdichtern sollten zwei große und ein kleiner saniert und auf das neue Kältemittel umgerüstet werden. Die Lebenserwartung dieser Maschinen liege dann wieder bei zehn bis zwölf Jahren, da fast alle beweglichen Teile durch Neue ersetzt werden..
Die Investitionskosten für das Mattensystem bezifferte H. Niebel auf 1,5 Mio., darin sind allerdings bereits 130.000 DM Entsorgungskosten für das bisherige FCKW enthalten. Ein neuer Heizkessel und eine neue Schalt-und Regelanlage schlagen nochmals mit 280.000 DM zu Buche.
Rechnungsamtsleiter Josef Manz fasste die Kosten nochmals zusammen und kam inklusive Nebenkosten auf 7,6 Millionen DM. Davon stünden 6 Millionen aus früheren Haushalten noch zur Verfügung. Die dann noch erforderlichen Mittel könnten aus Rücklagen finanziert werden, so dass diese Maßnahme ohne zusätzliche Kreditaufnahme erfolgen könne. Dies sei auch der guten Finanzlage der Gemeinde Waldbronn zu verdanken, wie der Kämmerer anmerkte.
Die Realisierungsdauer für die gesamte Sanierung wurde von den beiden Ingenieurbüros zwischen sechs und neun Monaten angesetzt. Bürgermeister Martin Altenbach zeigte sich dennoch optimistisch, dass der Eistreff noch in der kommenden Saison in Betrieb gehen kann.
Eine Stellungnahme hatte auch der Jugendgemeinderat abgegeben, in der es hieß, dass "dem Eistreff ein hoher Rang in der Waldbronner Jugendpolitik einzuräumen sei". Benjamin Lahr, Vorsitzender des Jugendgemeinderats, erläuterte die Stellungnahme in der Sitzung des Gemeinderats. 15 Prozent aller Waldbronner Jugendlichen hätten den Eistreff genutzt. Er war ein Treffpunkt für Jugendliche, in dem sie bei vertretbaren Kosten Wintersport betreiben können. Auch machte Lahr darauf aufmerksam, dass es zwischen Eistreff und dem benachbarten Jugendtreff Wechselbeziehungen im Besucherverhalten gebe. Seit der Schließung des Eistreff sei auch der Jugendtreff schlechter besucht.. Der Jugendbürgermeister bot darüber hinaus an, dass sich die Jugendlichen während der Sommermonate bei Instandhaltungs- und Reinigungsmaßnahmen im Eistreff engagieren wollten.
Die breite Diskussionsrune der Gemeinderäte eröffnete Joachim Lauterbach, CDU, mit der Feststellung, dass es in seiner Fraktion kein einheitliches Meinungsbild gebe. Gegen den Eistreff spreche die Finanzsituation der Gemeinde, die Kosten seien inzwischen von 6 auf 7,6 Mio. angewachsen, insgesamt sei das Ganze ein Schnellschuss, da zu wenig Zeit blieb, um sich mit der komplizierten Materie vertraut zu machen.. Für den Eistreff spreche sein hoher sozialpolitischer und gesellschaftlicher Stellenwert für die Jugend. Jetzt lägen verlässliche Kostenzahlen vor, hinzu komme noch ein Landeszuschuss von fast drei Millionen und ohne eine Sanierung müsse das Gebäude mit ebenfalls erheblichen Kosten abgebrochen werden. Nach Abwägung dieser Gründe sei der größere Teil der CDU – Fraktion für eine Sanierung. Den Vorwurf des Schnellschusses wollte nun aber Büergermeister Altenbach nicht auf sich sitzen lassen, schließlich werde das Thema schon seit langem diskutiert. Günter Bauer, SPD, betonte, dass das Thema Eistreff seit seiner Schließung 1996 auf der Tagesordnung stehe. Die SPD jedenfalls freue sich, wenn der Eistreff saniert werden kann, zumal die Haushaltslage heute besser sei als vor vier Jahren. Die SPD stimme deshalb geschlossen dem Antrag auf Sanierung zu.
Anders sah dies Heribert Purreiter, Bündnis 90/Die Grünen. Nur ein Bruchteil der Waldbronner Jugend besuche den Eistreff. Mit dem jetzt aufzuwendenden Geld ließe sich für die Waldbronner Jugend auch anderes tun. Wenn jetzt für 7,6 Mio. die Sanierung begonnen werde, sei dies nur der Beginn einer "Sanierungauf Raten". "Ein Fass ohne Boden" befürchtete Purreiter gar. Mangel bestehe auch bei den Parkplätzen. Die Folgekostenrechnung sei für ihn nicht nachvollziehbar. Warum sollten die Personalkosten jetzt niedriger sein als vorher. Der Eistreff solle künftig als Wirtschafts-betrieb geführt werden, so Herbert Masino. Zwei Eismeister plus Aushilfskräfte müssten diese Arbeit bewältigen. Angedacht sei, dass diese Kräfte sieben Monate arbeiten und den Rest des Jahres Freizeit haben. Zudem ergeben sich Einsparungen bei den Betriebskosten durch die neue Technik.
Eine schwere Entscheidung nannte Prof. Dr. Kristian Kroschel, FWV, das Vorgehen, weil sie getroffen werden solle, ohne dass ein schlüssiges Betriebs- und Nutzungskonzept vorliege. Für eine gesamte Sanierung -"keine Klein – Klein – Lösung"- seien 11,5 Mio. DM erforderlich, und der Betrag sei für sieben Monate nicht wirtschaftlich. Auch der Verlust von 600.000 DM sei zu hoch, zumal die Gemeinde noch andere wichtige Aufgaben zu erfüllen habe wie das Kanalnetz zu sanieren, den Neubau der AVG – Trasse und die Verbesserung der Straßensituation. Der Eistreff sei für den Kurort Waldbronn nicht wichtig, auch von der Jugend interessiere sich nur ein Teil für diese Einrichtung, zudem sei Eislaufen ein Modesport. Nach einem Kolleg über den Energieaufwand im Eistreff fasste der Gemeinderat zusammen: "Wir können uns den Eistreff ökologisch und ökonomisch nicht leisten!"
Mit der Schließung des Eistreff sei der stärkste Werbeträger Waldbronns weggebrochen, sprach Helmut Völkle, CDU, für die Sanierung als Chance, den Eistreff wieder zum leben zu erwecken. Bernd Bull, CDU, bemängelte die kurze Frist für das Studium der Vorlagen. Zudem sei das Betriebs- und Nutzungskonzept nicht optimiert, zu stark auf der Basis der alten Zahlen aufgebaut. Der Eistreff sei zwar ein Magnet für die Jugend, werde aber überwiegend von auswärtigen Jugendlichen genutzt. Insgesamt sei es eine falsche Politik, wenn immer mehr Großprojekte den Gestaltungsspielraum einschränken. Auch Bulls Fraktionskollege Roland Bächlein bezog sich bei der kritischen Betrachtung der Technik ausdrücklich auf Heribert Purreiter und Prof. Dr. Kristian Kroschel. Aber auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen seien Bedenken angebracht, wenn er auch wisse, dass die Jugend auf den Eistreff warte. Es gebe aber wesentlichere Projekte in Waldbronn, die gefährdet würden. Für die Sanierung sprach sich fraktionsübergreifend Werner Anderer, Manfred Hübscher, Erika Anderer, alle CDU, Juliane Vogel und Marianne Müller, beide SPD, aus. Dagegen argumentierte Roswitha Bichler, CDU.