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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


23.04.1999 Kolpingfamilie Busenbach: Revolutionsfeier


Kolpingfamilie Busenbach:
Revolutionäre gab es in allen drei Ortsteilen
Erinnerung an die Badische Revolution von 1848/48
mit Dr. Clemens Rehm und den Malscher Straßensängern
Reinerlös geht an Kolpingfamilien in Albanien
Mit einer Streitfrage und einem Volksentscheid dazu endete das Waldbronner Revolutionsfest, mit dem die Kolpingfamilie Busenbach an diese Epoche badischer Geschichte erinnerte. Gestaltet wurde der Abend von Dr. Clemens Rehm, Historiker am Generallandesarchiv Karlsruhe und den Malscher Straßensängern mit Revolutionsliedern. Dazu gab es für die Besucher, zubereitet von vielen Helfern bei der Kolpingfamilie, ein badisches Vesper und zum Durst Stillen Most oder Revolutionsbier, je nach Geschmack.
Die Besucher versammelten sich an den einzelnen Tischen, die mit „Trupp Busenbach, Reichenbach, Etzenrot oder Malsch" gekennzeichnet waren, daneben gab es ein „Unterstützungskomitee" und auch die „Kommandantur", wo nicht nur der Redner des Abends Platz nahm, sondern auch die Vorsitzenden der Busenbacher Kolpingfamilie. Liebevoll ausgeschmückt war der Saal im Busenbacher Pfarrheim mit allerlei Utensilien, die den Revolutionären vor 150 Jahren noch als Waffen gedient haben könnten, jetzt aber auf Dachböden verstaubten, bis sie zu dieser Revolutionsfeier wieder ans Licht geholt wurden. Als Marketenderinnen gewandet waren die Mitglieder der Kolpingfamilie, die für das leibliche Wohl der Besucher sorgten.
In diesem stimmigen äußeren Rahmen begrüßte zu Beginn Manfred Peter, Vorsitzender der Kolpingfamilie Busenbach, die Besucher, unter denen er besonders Bürgermeister Martin Altenbach, Pfarrer Manfred Helfrich und Vertreter der zahlreichen Sponsoren begrüßte. Das herausragende Merkmal der badischen Revolution sei die Einigkeit gewesen, mit der ihre Gedanken alle Bevölkerungsschichten durchdrang.
Dr. Clemens Rehm gab zunächst einen kurzen Überblick über die Revolution und ihre Zeit mit Hunger und wirtschaftlichen Problemen zur Jahreswende 1847/48. Als Fanal habe die Februarrevolution in Paris gewirkt, deren Ideen schnell auf Deutschland und Baden übergriffen mit freiheitliche Gedanken und den Wahlen zum Parlament in der Paulskirche. Nach Startschwierigkeiten habe es dieses Parlament immerhin nach einem halben Jahr geschafft, Grundrechte zu verabschieden, wie sie bis heute gelten.
Die Revolution in Baden sei aus den Gedanken Heckers entstanden, dass Verhandlungen mit den Fürsten zu nichts führen. Die Revolution begann nach Dr. Rehm 1848 als bürgerliche Revolution, 1849 kamen dann verstärkt soziale Gesichtspunkte hinzu. Den Schlusspunkt markiert der Fall der Festung Rastatt.
Über Einzelpersonen wisse man teilweise gut Bescheid, weil zahlreiche Spitzelberichte in den Akten verblieben und heute im Generallandesarchiv liegen. So sei bekannt, dass es in allen drei heutigen Waldbronner Ortsteilen Revolutionäre oder auch Sympathisanten gab, und dazu nannte Dr. Rehm auch Namen. Eine zentrale Rolle spielte jedoch der damalige Reichenbacher Pfarrer Karl Kast, der schon früh Sympathien für die soziale Revolution Heckers bekundete und innerhalb des Klerus keinen Einzelfall darstellte. Einer Verhaftung durch die Preußen entzog sich Kast durch die Flucht, seine Spur verliert sich dabei in Straßburg. Die gefassten Revolutionäre wurden meist zu langen Haftstrafen verurteilt, nach wenigen Jahren aber begnadigt mit der Auflage, aus Deutschland auszuwandern.
Den zweiten Teil gestalteten dann die Malscher Straßensänger mit Veronika Wehr - Schwander, Barbara Rehm, Friderike Haller und Tilman John. Zu den Liedern der Jahre 1848 und 1849 stellte jeweils Dr. Clemens Rehm den geschichtlichen Zusammenhang her. Die Texte stammten dabei von teilweise bekannten Dichtern wie Hoffmann von Fallersleben oder Freiligrath, die bekannten Melodien neue Texte unterlegten. Interessant war auch zu beobachten, wie fortschreitend die Liedtexte immer radikaler wurden.
Doch zurück zur eingangs erwähnten Streitfrage mit Volksentscheid: das Badnerlied, auch als badische Nationalhymne schon apostrophiert, hatten die Malscher Straßensänger trotz vielfachen Wunsches ihrer Zuhörer nicht im Programm, und Dr. Rehm erläuterte auch warum: die Residenz und die Festung in Rastatt könne man im Zusammenhang mit der Revolution guten Gewissens nicht als „Badens Glück" bezeichnen, deshalb sei das Lied an einem Abend wie diesem fehl am Platz. Die Streitfrage wurde schließlich „aus dem Volk" heraus entschieden, als einer aus dem „Trupp Busenbach" einfach das Badnerlied anstimmte und fast alle anderen Trupps begeistert einfielen.