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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


24.01.2000 Schäden auf den Streuobstwiesen


Einen schönen alten Obstbaum spaltete „Lothar“ in der Mitte durch. Er liegt in den Wiesen östlich vom Gewerbegebiet „Im Ermlisgrund“.

Obst- und Gartenbauvereine zogen Bilanz:
Orkan „Lothar“ wütete auch bei Obstbäumen Weit über 600 Bäume zerstört
Neupflanzungen sollten im Herbst anlaufen



Gewütet hat der Orkan „Lothar“, den das Wetter als Weihnachtsüberraschung bereit hielt, nicht nur in den Wäldern. Die meisten Berichte drehen sich um die immensen Waldschäden, materiell und ökologisch, die durch das Unwetter entstanden sind. Aber auch in der freien Feldflur fielen zahlreiche Bäume “Lothar“ zum Opfer, wurden abgeknickt, Äste abgerissen, gespalten, oder einfach nur umgerissen. Wer sich auf der Feldflur in den zurückliegenden Wochen seit dem Sturm bewegt hat, und dort war es im Gegensatz zum Wald ja auch gefahrlos möglich, konnte dies unschwer feststellen.
Diese Situation auf den Streuobstwiesen rund um Waldbronn rief gleich nach dem Sturm die drei Waldbronner Obst- und Gartenbauvereine auf den Plan. Sie begannen, die Feldflur systematisch abzugehen und die Bäume zu zählen, die der Orkan so stark schädigte, dass sie auf jeden Fall entfernt werden müssen. Die Zahlen, die dabei zu Tage kamen, erschütterten die Obstbauer denn doch. Am stärksten betroffen ist danach die Gemarkung Busenbach, dort wurden 432 geschädigte Bäume gezählt. Noch verhältnismäßig glimpflich kam die Reichenbacher Feldflur davon, dort sind es „nur“ 212 Bäume, um Etzenrot wurden 25 zerstörte Obstbäume gezählt.
Interessant auch die Feststellung, dass in reinem Wiesengelände weniger Bäume ein Opfer des Sturms wurden als auf Ackerflächen. Was weiter erstaunte, war der geringe Wurzeldurchmesser, der bei vielen großen Bäumen zu Tage trat. Eine mögliche Ursache neben dem starken Orkan war sicher auch der aufgeweichte Boden. So kamen in Waldbronn, wie Vorsitzender Werner Bollian vom Reichenbacher Obst- und Gart6enbauverein aus eigenen Aufzeichnungen berichtete, im zurückliegenden Dezember 233 Liter Niederschlag auf jeden Quadratmeter.
Wie groß die Schäden sind, lässt sich in Mark und Pfennig nicht beziffern. Denn nicht nur der Wert der alten Bäume schlägt hier zu Buche, auch die ökologischen Schäden sind beträchtlich, bot doch fast jeder dieser „Obst – Methusalems“ anderen Tieren Unterschlupf und Schutz. Und nicht nur für die Vogelwelt wird es eng, fehlen doch durch den Ausfall so vieler alter Bäume Nistplätze, auch Wildbienen und andere Insekten verloren mit einem Hauch einen Großteil ihrer Unterschlupfe. Dazu kommt noch der Verlust vieler landschaftsprägender Bäume.
Um das weitere Vorgehen abzustimmen trafen jetzt Vertreter der drei Obst- und Gartenbauvereine im Rathaus mit Bürgermeister Martin Altenbach und Herbert Masino vom Ortsbauamt zusammen. Die Vorsitzenden Klaus Gibs aus Busenbach, Werner Bollian aus Reichenbach, und Walter Anderer aus Etzenrot, zeigten dabei die immensen Schäden auf und brachten ihre Sorge um den Erhalt des Streuobstbaus und der landschaftsprägenden Streuobstwiesen zum Ausdruck. Da sich die Schäden auf viele Grundstücke verteilen, trifft es pro Grundstück, so ihre Schätzung, im Schnitt vier bis sechs Bäume. Ziel muss sein, so ihre Aussage, dass wieder Bäume gepflanzt werden, die in die landschaftsprägende Funktion der jetzt zerstörten Bäume hineinwachsen können, eine Aussage, die auch Bürgermeister Martin Altenbach ausdrücklich begrüßte.
So war der Weg nicht mehr weit zu einem konzertierten Vorgehen. Was jetzt zunächst geschehen muss durch die Grundstückseigentümer ist die Entfernung der zerstörten Bäume aus der Feldflur. Hierbei ist die Gemeinde bereit, Grundstücksbesitzern, die diese Arbeit nicht selbst bewerkstelligen können, Hilfen zu gegen, wenn sie sich an das Rathaus wenden. Angedacht wurde auch eine Sammelplatz, an dem Holz verbrannt werden kann, das vom Feuerbrand infiziert ist.
Neuanpflanzungen sollten erst ab dem Herbst erfolgen. Angedacht wurde hier, dass Grundstückseigentümer pro Baum 10 DM zahlen, den Rest der Kosten teilen sich Gemeinde und Obst- und Gartenbauvereine, die auch auf Wunsch mit fachlichem Rat bei der Pflanzung zur Seite stehen.
Im Sommer werde dann in den Gemeindenachrichten ein Sortenspiegel veröffentlicht, welche Obstbaumsorten bei den Baumschulen zur Verfügung stehen. Dabei werde man verstärkt auf alte Sorten zurückgreifen, damit der Charakter der Streuobstlandschaft erhalten bleibt, aber auch wieder landschaftsprägende Bäume entstehen können. Außerdem sind diese Sorten unempfindlicher als viele neue Zuchtarten. Im Herbst dann können die ersten Nachpflanzungen erfolgen. Das Pflanzprogramm soll sich über die kommenden zwei bis drei Jahre erstrecken.
Gemeinde und Obst- und Gartenbauvereine appellierten dabei an alle Grundstücksbesitzer, auch wenn sie ihr Gelände verpachtet haben, Jungbäume nachzupflanzen, damit der Streuobstbau und die Artenvielfalt der Tier- und Pflanzenwelt erhalten bleibt. Dieser Appell richtet sich auch und gerade an die Landwirte. Ziel, so der einmütige Tenor beim Gespräch auf dem Rathaus, muss es sein, das Bild der blühenden Feldflur für die kommenden Generationen zu erhalten.


In der Nähe des Pferdehofs Vogel auf Busenbacher Gemarkung fegte „Lothar“ diese alten Bäume um.