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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


12.01.2000 Waldschäden


Große Schäden richtete „Lothar“ auch im Waldbronner Wald an. In den Wald hinter dem Neubrunnenschlag schlug er eine regelrechte Schneise.


Waldschäden in Millionenhöhe
Forstdirektor Schäfer informierte Gemeinderat



Das Sturmtief „Lothar“ erreichte mit Zeitverzögerung nun auch den Waldbronner Gemeinderat und sorgte bei allen Beteiligten für betroffene Gesichter. Durch den Sturm fällt allein aus dem Waldbronner Wald mindestens das Elf- bis Vierzehnfache eines normalen jährlichen Holzeinschlags an, wie Forstdirektor Hermann Schäfer informierte. Regulär eingeschlagen werden pro Jahr in Waldbronn etwa 3.500 Festmeter (Fm) Holz. Jetzt muss mit 40.000 bis 50.000 Fm gerechnet werden. Bürger-meister Martin Altenbach hatte eingangs dieses Tagesordnungspunktes der Freiwilligen Feuerwehr Waldbronn gedankt, die über mehrere Tage fast ununterbrochen im Einsatz war, um Straßen und Wege frei zu räumen.
Waldbronn, so Hermann Schäfer im Überblick, nenne 326 ha Waldfläche sein Eigen. Davon seien 100 ha durch den Sturm geschädigt. Das Gravierende dabei sei, dass alle Baumarten betroffen sind. Selbst Eichen, die als sturmfest gelten, sind gefallen. Als akute Gefahren nannte Schäfer, dass in den aufgerissenen Wäldern weitere Windwürfe auftreten, selbst bei Stürmen, die schwächer sind als „Lothar“. Eine zweite Gefahr drohe den Wäldern durch verstärkten Borkenkäferbefall.
Wirtschaftliche Einbußen über Jahre seien die Folge des Orkans. Im laufenden Jahr werde sich „Lothar“ finanziell noch nicht wesentlich niederschlagen. Auf geschätzte 2,4 Millionen Mark bezifferte Schäfer die Aufwendungen für Holzernte- und Aufräumräumarbeiten, für Holzschutz Transport und für neue Kulturen. Durch den Verkauf von rund 40000 Festmetern Holz seien, so der Forstdirektor, trotz sinkender Preise wegen des Überangebots etwa 2,8 Millionen Mark zu erwarten, allerdings sei nicht klar, wie schnell sich das Holz absetzen lasse.
,,Substanzverzehr" heißt das Stichwort für die zu erwartenden Einbußen in den Folgejahren. Seit 1988 brachte die Waldwirtschaft rund 50000 Mark jährlich in die Gemeindekasse. „In Zukunft wird es aus der Waldbewirtschaftung Defizite geben und keine Überschüsse mehr,“ prognostizierte der Forstdirektor. Den von ,,Lothar" verursachten Vermögensschaden bezifferte Schäfer insgesamt auf rund vier Millionen Mark, und das allein im Waldbronner Waldgebiet. Das Überangebot, Frachtentfernungen und damit höhere Kosten und Bruchrisiko bei Sturmholz drücken zudem auf die Preise. Zu den mittelfristigen Verlusten sei auch zu zählen, dass etwa 60 Hektar hiebsunreife, weil zu junge Bäume vom Sturm vernichtet wurden. Jeder Hektar hätte bei normaler Ernte durchschnittlich 15.000 Mark erbracht.
In der Summe sind auch die Posten enthalten, die aufzeigen, was bereits unternommen wurde oder noch wird, um das entstandene Chaos zu beseitigen. Un-ter anderem hat Schäfer bereits eine Vollerntemaschine sowie Waidarbeitergruppen mit Schlepper unter Vertrag genommen. Zusätzlich wurden und werden weitere Hilfskräfte und ein Förster als Vorarbeiter eingestellt. Kontakte wurden auch geknüpft zu Holzkäufern aus anderen Bundesländern.
Der Forst habe bisher bei der Räumung der öffentlichen Straßen und wichtiger Waldwege vor allem durch sein Fachwissen Hilfe geleistet. In erster Linie wurden hier die Wege geräumt, an denen bereits verkauftes Holz lagert, und die problemlos zu räumen waren. Dies war notwendig, da die Sägewerke in Baden – Württemberg durch den Orkan nicht mehr an Holz herankamen und händeringend Nachschub suchten. Freigemacht wurde auch der Fahrradweg von Etzenrot nach Langensteinbach.
Auch die Nasslegung des Holzes bereite Probleme. Wasser müsse genügend vorhanden sein, dies sei aber nur im Albtal gegeben und dort komme ein solcher Lagerplatz mit den Belangen des Naturschutzes in Konflikt, zumal auch Zufahrtswege für schwere Fahrzeuge vorhanden sein oder gebaut werden müssten.
Hilfe von Bund und Land erwartet Schäfer wenig für den Gemeindewald. Hausbesitzer, deren Gebäude durch Windwürfe beim Orkan geschädigt wurden, machte er ebenfalls keine Hoffnung, auch nicht wenn mit einer Ausnahmegenehmigung vom Waldabstand gebaut wurde. Die Gemeinde werde Bäume räumen, die auf Grundstücke oder Gebäude gefallen. sind, falls dies gewünscht werde, versprach Bürgermeister Martin Altenbach. Die Gemeinde habe für ein halbes Jahr drei Kräfte zusätzlich eingestellt, um mit den Folgen des Sturms fertig zu werden.
Die Fragen der Gemeinderäte drehten sich vor allem um die Zukunft des Waldbronner Waldes, der als einer der Aktivposten für den Kurort Waldbronn bezeichnet wurde. Forstdirektor Schäfer führte dazu aus, dass der Wald nach Möglichkeit wieder so wachsen solle wie bisher. Auch die Baumarten sollten nicht geändert werden. Schäfer machte deutlich, dass der Forst auf Naturverjüngung setzt, und nur in Einzelfällen pflanzen will. Auch bestätigte er durch das viele Reisig eine erhöhte Brandgefahr bei einer Trockenperiode.
Schlagraum, darauf wurde der Leiter des Forstamts Karlsbad gleich mehrfach angesprochen, wird den Bürgern angeboten. Allerdings müssten zuerst die Wälder wieder gefahrlos begehbar sein. Der Termin werde rechtzeitig bekannt gemacht. Revierleiter Mohr jedenfalls, so der Forstdirektor abschließend, sei dankbar, wenn potenzielle Interessenten noch bis Ende des Monats zuwarten könnten. Eines aber stellten Bürgermeister und Forstdirektor unisono klar: Schlagraum einfahren ohne vorherige Genehmigung erfüllt den Tatbestand des Diebstahls.


Gewütet hat “Lothar“ auch in Etzenrot in der Gegend des Friedhofs und der Neufeldstraße, links unten das Gesellschaftshaus.