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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


07.03.1999 Monsignore Anton Anderer - 60 Jahre Priester


Pfarrgemeinde St. Wendelin Reichenbach:
Monsignore Anton Anderer 60 Jahre Priester
Gemeinde feierte das Diamantene Priesterjubiläum des gebürtigen
Reichenbachers / Auch im Ruhestand noch viele Verpflichtun-gen


Sein Diamantenes Priesterjubiläum konnte Pfarrer i.R. Geistlicher Rat Monsignore Anton Anderer in der Pfarrkirche St. Wendelin Reichenbach feiern. Der gebürtige Reichenbacher kann damit auf 60 Jahre priesterlichen Wirkens zurückblicken. Ein Festgottesdienst und ein Empfang im Pfarrzentrum Ernst Kneis bildeten den ange-messenen Rahmen für dieses Jubiläum.
Mittelpunkt war die Eucharistiefeier in der Reichenbacher Pfarrkirche, die vom Kir-chenchor Reichenbach/Etzenrot unter der Leitung von Herbert Dambach mit gestal-tet wurde. Zu Gehör brachten sie die „Missa solemnis" von Wolfgang Amadeus Mo-zart für Singstimmen, Chor, Orchester und Orgel. Zelebriert wurde die Messe von Anton Anderer gemeinsam mit Geistlichem Rat Pfarrer i.R. Ernst Kneis und dem jet-zigen Reichenbacher Seelsorger Joachim Greulich. Die Predigt hielt Dr. Bernhard Kraus vom Exerzitienhaus Lindenberg St. Peter, in dem der Jubilar häufig zu Gast ist. Dr. Kraus spiegelte dabei das Bild des Priesters an der Person von Anton Ande-rer.
Der Empfang im Pfarrzentrum wurde musikalisch eingeleitet durch Kerstin Kunz (Querflöte) und Tina Klein (Klavier). Pfarrgemeinderatsvorsitzender Hubert Kuderer konnte dazu eine große Zahl von Gästen begrüßen, so aus dem kirchlichen Bereich Dekan Andreas Hess, Waldbronns Ehrenbürger Pfarrer i.R. Ernst Kneis, die eben-falls aus Reichenbach stammenden Geistlichen Herbert Kraft, Dr. Jörg Lichtenberg und Torsten Becker, Nachbarpfarrer Manfred Helfrich und die evangelische Pfarrerin Sabine Jestadt. Aus dem politischen Bereich hieß Kuderer MdB Dr. Erwin Vetter, Bürgermeister Martin Altenbach und Pfinztals ehemaligen Bürgermeister Gerhard Mussgnug willkommen.
Die Laudatio auf den Jubilar hielt Studiendirektor Dr. Gerhard Volkert aus Durlach. Er zeichnete „die Linie des Lebens" von Anton Anderer nach. Er erwähnte dabei be-sonders, dass Anton Anderer vor 60 Jahren, am 26. Februar 1939, im Dom zu Bam-berg zum Priester geweiht wurde. Auch in hohem Alter leistet Geistlicher Rat Ande-rer „im Unruhestand" viel. So ist er stets bereit, Vertretungen zu übernehmen. Bei vielen pfarrlichen Gruppierungen ist er als Referent oder als Reiseführer wegen sei-nes großen Wissens gerne gesehen.
Pfarrer Anderer ist jedoch auch anderweitig noch vielseitig aktiv, übernimmt umfang-reiche Aufgaben und geht verschiedenartige Verpflichtungen ein. Er führt seit Anbe-ginn seines Ruhestandes als geistlicher Reisebegleiter alljährlich mehrere Pilger-gruppen an alle großen Wallfahrtsorte in Europa und nimmt an Studienreisen in alle Welt teil. Das Exerzitien- und Bildungshaus auf dem Lindenberg im Schwarzwald ist mittlerweile zu seiner zweiten Heimat ge-worden. Im vergangenen Jahr war er an über 90 Tagen zur Betreuung der Gebetswache des Männerwerkes vor Ort. Weiter-hin übernimmt er an fast jedem Sonntag bzw. am Vorabend und oft auch werktags in Vertretung die Feier der heiligen Messe. Sein Wirkungsbereich erstreckt sich über das ganze Dekanat und darüber hinaus bis ins Ausland.
Geistlicher Rat Pfarrer Anton Anderer, geboren am 08. Juni 1912 in Karlsruhe, ver-brachte seine Jugend in Reichenbach. Nach dem Abitur begann er ein Studium der Philosophie und Theologie in Bamberg und Würzburg. Nach der Priesterweihe war er zunächst als Kaplan vertretungsweise in der Pfarrei Döbeln in Sachsen bei Leip-zig tätig. Als dann der damalige Pfarrer von Döbeln zu Kriegsbeginn zur Wehrmacht einberufen wurde, hat man ihn mit der Seelsorge der Ge-meinde beauftragt. Die Diasporagemeinde Döbeln umfaßte damals 3 Städte und etwa 200 politische Ort-schaften. Außer-dem wurde er ab Kriegsbeginn zum Militär- und Standortpfarrer be-stellt und war als einziger katholischer Geistlicher bis Kriegsende für 2 Garnisonen und 4 Lazarette zuständig.
Nach dem Krieg fiel dieses territoriale Gebiet der russischen Besatzungszone zu. Die Seelsorge unter der russischen Be-satzungsmacht war sehr schwierig. Durch Flüchtlinge aus dem Osten wuchs die Zahl der Katholiken innerhalb eines Jahres von 2.000 auf 10.000. In dieser Zeit hatte er die Unterstützung durch 2 weitere Ka-pläne, die als Vertriebene aus Schlesien kamen. Als 1948 der eigentliche Pfarrer von Döbeln aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, floh er im Juli 1948 aus dem russischen Sektor und meldete sich als Rückkehrer bei der Erzdiözese Freiburg.
Zuerst war der Jubilar ein Jahr als Kaplan in Durlach tätig und wurde danach für 2 Jahre (1949-51) als erster katholischer Seelsorger seit der Zeit der Reformation in der Gemeinde Hohenwettersbach eingesetzt. Seinen bisherigen Erfahrungen als Seelsorger in Diasporagemeinden war es zuzuschreiben, daß man ihn danach mit dem Aufbau und der Leitung der Gemeinde Söllingen mit der Filialgemeinde Klein-steinbach betraute. Auch hier fand er eine Diasporagemeinde vor und leistete wie-derum als erster katholischer Seelsorger in dieser Gemeinde Pionierarbeit.
In Söllingen hat Anton Anderer über 37 Jahre als Pfarrer bis zu seiner Pensionie-rung im Jahre 1989 gewirkt. Durch sein großes Engagement wurde diese Gemeinde trotz der Schwierigkeiten der Diasporasituation innerlich und äußerlich auf-gebaut und gefestigt. In seiner Amtszeit hat er zwei neue Kirchen gebaut, 1954 die Pfarrkir-che in Söllingen und später eine Kirche in Kleinsteinbach. Weiter hat er 1969 ein Pfarrhaus und 1977 das nach ihm benannte Pfarrzentrum „Antoniushaus", sowie einen neuen Kindergarten errichtet.
Seine großen seelsorgerischen Verdienste wurden im Jahre 1984 mit der Ernen-nung zum ,,Geistlichen Rat ad honorem" durch den Erzbischof gewürdigt. Die Ver-abschiedung von Söllingen in den Ruhestand feierte er zusammen mit seinem 50-jährigen Priesterjubiläum am 1. April 1989. In Anerkennung seiner Verdienste, die weit über die kirchliche Arbeit hinausgingen, wurde ihm von der Gemeinde Pfinztal eine neu geschaffene und somit erstmals verliehene Ehrenmedaille überreicht.
Im Juni 1993 wurde sein Wirken mit der Verleihung des Verdienstkreuzes der Bun-desrepublik Deutschland gewürdigt. Verliehen wurde die hohe Auszeichnung durch den damaligen Staatsminister Dr. Erwin Vetter im Rahmen eines Festak-tes im Pfarr-zentrum St. Wendelin. Bereits am 20.12.91 erhielt der Jubilar von dem indischen Bischof Iruthairaj den Titel ,,Monsignore der Diözese Palayamkottai". Dieser Titel wurde Pfarrer Anderer aufgrund seiner langjäh-rigen Freundschaft und großzügigen Unterstützung der Arbeit von Bischof Iruthairaj zugesprochen. Schon zweimal hat ihn der indische Bischof besucht.
Seit seiner Pensionierung lebt er im (Un)Ruhestand in seiner Heimatgemeinde Rei-chenbach. Heute im Alter von fast 87 Jahren kann Pfarrer Anton Anderer auf ein er-fülltes Leben zurückblicken. Möge Gott ihm weiterhin die Gesundheit und den Ta-tendrang erhalten, schloss Dr. Volkert seine Laudatio.
Dekan Andreas Hess erwähnte drei Edelsteine, die ihn mit dem Jubilar verbinden: die Kirche, das Exerzitienhaus Lindenberg und der Geburtstag von Anton Anderer, der mit dem Geburtstag seiner Mutter zusammenfalle. Bürgermeister Martin Alten-bach sah in Anton Anderer vor allem den Waldbronner, obwohl er in Karlsruhe ge-boren sei. Für die Gemeinde Pfinztal gratulierte Bürgermeister i.R. Gerhard Mussgnug und hob vor allem auf die Kindergartenarbeit in den 37 gemeinsamen Jahren in Söllingen und später in Pfinztal ab. Für das Männerwerk der Erzdiözese Freiburg sprach Josef Veit Glückwünsche und den Dank aus.
Dr. Erwin Vetter fand für AD (außer Dienst) bei Anton Anderer eine neue Bedeutung: „Anderer dient". Er erinnerte an die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes und betonte, das Leben Anton Anderers führe an die Wurzeln dessen, was Christsein bedeute. „Wenn man in seine Nähe kommt, dann ist da ein Mensch, der ausstrahlt", fasste Dr. Vetter die Person Anderer zusammen. Der Jubilar selbst dankte für die Ehrungen und hoffte, dass Gott ihm noch viele Jahre in Gesundheit schenkt. „Mir eilt es dabei nicht", stellte er fest.